• DIA’s und Negative digitalisieren mit dem Nikon ES-2

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Einleitung

Kurz nach der Lancierung der D850 hat Nikon auch den Filmdigitalisierungsadapter ES-2 auf den Markt gebracht. Mit diesem ist es möglich, mit geeigneten Objektiven, DIA’s oder auch Negative direkt abzufotografieren und somit als hochaufgelöste RAW Dateien weiter zu verarbeiten. Für das abfotografieren von Negativen bietet die D850 (und nur die D850) sogar die Möglichkeit, diese direkt in ein positives Bild zu invertieren. Dieses invertierte Bild kann dann aber nur als JPEG gespeichert werden! Ein Nachteil, welcher aber mit einem Lightroom Plugin aufgehoben werden kann (siehe weiter unten).

Das Archiv

Da ich mich schon seit mehreren Jahrzehnten mit der Fotografie beschäftige, gibt es aus den Analog-Zeiten doch einige Kisten voll mit DIA’s und Negativen, die im Archiv eingelagert sind. Deshalb wollte ich diese Möglichkeit als Alternative zum vorhandenen Plustek Scanner (OpticFilm 7600i) mit der Silverfast Software von LaserSoft Imaging ausprobieren.

Etwas zur Technik

Die Liste der Objektive welche mit diesem Aufsatz kompatibel sind, ist relativ klein und so musste ich mir auch noch ein passendes Objektiv anschaffen. Da habe ich mich aus Preisgründen für das 40mm Makro im DX Format entschieden (AF-S DX Micro-NIKKOR 40 mm 1:2,8G), mit dem Nachteil, dass die 45MP der D850 oder auch der neuen Z7 nicht vollumfänglich genutzt werden können. Der ES-2 Adapter selbst kann mit allen Kameras genutzt werden, die dieses Objektiv unterstützen. Dass die direkte Invertierung von Negativ nach Positiv aber nur mit der D850 funktioniert ist aus meiner Sicht kein Nachteil, da es für Lightroom das Plugin ‚Negative Lab Pro‘ gibt, welches Negative im RAW Format invertieren kann und so der Nachteil der JPEG Datei aus der D850 entfällt. Das Plugin habe ich zuerst ausprobiert und dann, weil es gut funktioniert hat und sehr viele Korrekturmöglichkeiten bietet, auch gekauft (Preis $ 99.-).

Mit dem ES-2 und dem 40mm Objektiv habe ich alle meine Kameras durchprobiert und bin zum Schluss gekommen, dass die D850 die beste Qualität liefert. Die D500 zeigt etwas mehr Bildrauschen als die D850. D850 und die neue Z7 sind in etwa gleich (Z7 benötigt den FTZ Adapter). Alle 3 Kameras liefern rund 20MP, wobei die D500 (5568 x 3712 Pixel) nicht mehr kann und die beiden anderen Kameras aufgrund des Objektivs im DX Mode aufnehmen (D850 und Z7: 5408 x 3600 Pixel). Das ist aber zum Vergleich mit dem Plustek Scanner mit seinen ~ 9MP immer noch etwas mehr als das doppelte.

Der Workflow

Das grösste Plus gegenüber dem Scanner ist natürlich die Vereinfachung des Workflows. Eine Aufnahme mit dem Scanner (DIA oder Negativ) und der Silverfast Software dauert mehrere Minuten, abhängig von den genutzten Funktionen der Software. Falls dann das Resultat nicht zufriedenstellend ist, muss der ganze Vorgang wiederholt werden! Das Resultat wird für beste Qualität in einer TIFF-Datei gespeichert, welche relativ viel Platz beansprucht und nicht uneingeschränkt weiterverarbeitet werden kann.

Die Kamera mit dem ES-2 habe ich via ‚Camera Control Pro 2‘ von Nikon mit dem PC verbunden und über die ‚Automatisch Importieren‘ Funktion von Lightroom die Bilder direkt in meinen Katalog importiert. Diese Technik hat sich bewährt, da damit die Kamera-Einstellung, im Gegensatz zur Lightroom Tether Aufnahme, detailliert verändert werden können. Als Lichtquelle nutze ich eine LED Flächenleuchte, welche relativ nahe zur Kamera steht.

Aufbau mit LED Flächenleuchte und Tether Kabel

Aufbau mit LED Flächenleuchte und Tether Kabel

Die Resultate

Nachfolgend der Vergleich zwischen Scanner (links) und ES-2 mit D850 (rechts) und einem DIA aus dem Jahre 1985 (Motorrad GP auf dem Salzburgring in Österreich). Die Bilder haben ein identisches Format (3:2) und identische Abmessungen (1024 x 683). Informationen zu Kamera-Hersteller und Typ, Objektiv und Film (Hersteller und Typ) sind leider nicht mehr verfügbar.

DIA ScannerD850 mit ES-2

Bild links mit Plustek Scanner – Bild rechts mit Nikon D850, 40mm DX Objektiv und ES-2
Slider benutzen

Das Bild aus der D850 wirkt in diesem Falle etwas schärfer. Das kann aber auch an der Bearbeitung liegen, welche natürlich nicht 100% identisch vorgenommen werden kann.

Beim zweiten Vergleich diente ein Negativ aus dem Jahre 1982 als Quelle (mein erstes grosses Motorrad, die Moto Guzzi Le Mans I). Links auch wieder das Bild aus dem Scanner, welches automatisch in ein Positiv invertiert wird und rechts das Resultat mit D850, ES-2 und dem Plugin ‘Negative Lab Pro’. Die Bilder haben ein identisches Format (3:2) und identische Abmessungen (1024 x 683). Informationen zu Kamera-Hersteller und Typ, Objektiv und Film (Hersteller und Typ) sind leider nicht mehr verfügbar.

DIA ScannerD850 mit ES-2

Bild links mit Plustek Scanner – Bild rechts mit Nikon D850, 40mm DX Objektiv und ES-2
Slider benutzen

In diesem Fall wirkt das Bild aus dem Scanner etwas ‘knackiger’, dafür hat das Bild aus der digitalen Kamera einen etwas wärmeren Farbton. Aber auch hier gilt die Bemerkung, dass diese Unterschiede auch an der Bearbeitung liegen können welche natürlich nicht zu 100% identisch vorgenommen werden konnte.

Das Lightroom Plugin ‘Negative Lab Pro’

Nachfolgend ein paar Screenshots aus Lightroom, die zeigen sollen, wie die Konvertierung eines Negativs durchgeführt wird. Mehr Informationen dazu, inklusive Youtube Videos, gibt es auf der Seite des Herstellers. Link

Negativ vor der Konvertierung mit Negativ Lab Pro

Negativ vor der Konvertierung mit Negativ Lab Pro

Negativ nach der Konvertierung mit Negativ Lab Pro

Negativ nach der Konvertierung mit Negativ Lab Pro

Möglichkeiten zur Optimierung mit Negativ Lab Pro

Möglichkeiten zur Optimierung mit Negativ Lab Pro

Die weitere Bearbeitung wie z.B. Kontrast, Helligkeit, Farbe oder Rauschreduzierung und Schärfen kann danach wie gewohnt in Lightroom vorgenommen werden. Durch die Invertierung haben aber gewisse Regler bei den Grundeinstellungen eine umgekehrte Auswirkung. Diese Bearbeitung ist wie bei RAW-Dateien gewohnt nicht destruktiv und kann jederzeit rückgängig gemacht werden.

Mein Fazit

Die Vereinfachung des Workflows, die nahtlose Integration in die gewohnte Umgebung mit Lightroom in Form von hochaufgelösten RAW Dateien (mit dem 60mm Makro im FX Format wären dann sogar 45MP möglich …) sind für mich die überzeugendsten Argumente, in Zukunft bevorzugt diesen Workflow zu nutzen. Vorteil für den Scanner mit der Silverfast Software ist eigentlich nur noch die Bildoptimierung bereits während des Scanvorgangs (Schärfen, Rauschreduzierung, Störungen beseitigen und Multi Exposure), welche die nachträgliche Optimierung und Bearbeitung etwas vereinfacht.

So kann ich auch in Zukunft meinen Nostalgieanfällen nachgeben, im Archiv wühlen und bei Bedarf ein analoges Bild in die digitalisierte Welt übernehmen. Eine Auswahl solcher Bilder gibt es schon länger, nämlich hier …

19 November 2018, von Beat

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