• Fokusverlagerung und Focus Stacking

    Fokusverlagerung&Fokusstacking

Motivation

Immer im Herbst schiessen auf Instagram und anderen Social Media Plattformen die Pilz-Bilder wie Pilze aus dem Boden. Solche Bilder werden meistens aus nächster Nähe mit Makroobjektiven aufgenommen und haben dementsprechend eine sehr geringe Schärfentiefe. Um auch ein paar Bilder beizusteuern, habe ich die Gelegenheit genutzt, um die Funktion ‘Fokusverlagerung’ der neueren Nikon Kameras (D850, Z7 und Z6) auszuprobieren. Diese Funktion, in Kombination mit der Focus Stacking Technik bietet sich geradezu an, um eine Verbesserung der Schärfentiefe zu erreichen.

Fokusverlagerung mit Nikon Kameras

Zu finden ist die Funktion ‘Fokusverlagerung’ im Fotoaufnahme Menü und sollte im Normalfall bei einer Nikon Z-Kamera folgendermassen aussehen:

Fokusverlagerung mit Z-Objektiv

Fokusverlagerung mit Z-Objektiv

Als ich aber zu Hause erste Trockenübungen durchführen wollte, hat das so ausgesehen:

Fokusverlagerung mit FTZ Adapter und 60mm Makro

Fokusverlagerung mit FTZ Adapter und 60mm Makro

Eine Auswahl auf dem deaktivierten Punkt ‘Aufnahme mit Konturfilter-Stapel’ zeigte folgende Meldung an:

Hinweis zum Konturfilter

Hinweis zum Konturfilter

Einen Hinweis, weshalb dieser Menüpunkt deaktiviert ist, war weder im Handbuch noch im Internet zu finden!

Ausprobieren wollte ich das mit der Nikon Z7 mit FTZ Adapter und dem neu angeschafften 60mm Makro Objektiv. Da ich auch noch eine Z6 habe, konnte ich die Einstellungen vergleichen und stellte fest, dass bei der Z6 dieser Menüpunkt konfiguriert werden konnte. Nachdem ich die ganzen Einstellungen verglichen hatte kam ich auf die Idee, das Objektiv mit FTZ Adapter gegen ein Z-Objektiv ohne Adapter zu tauschen und siehe da, plötzlich war dieser Menüpunkt nicht mehr deaktiviert. Weshalb aber mit FTZ Adapter kein Konturfilter-Stapel aufgenommen werden kann, ist unklar. Allerdings gibt es diesen Menüpunkt bei der D850 gar nicht …

Nachdem ich das herausgefunden hatte, konnte ich mich um die weiteren Einstellungen kümmern und da ist natürlich die wichtigste Einstellung die Schrittweite der Fokusverlagerung.

Diesbezüglich musste ich allerdings feststellen, dass diese Einstellung für jede Aufnahme zuerst ausprobiert werden muss, da ansonsten das Ganze einem Blindflug ähnelt …

Die Kombination aus Distanz zum Objekt, Brennweite und Blende sowie die Tiefe des Objekts selbst ergibt eine optimale Schrittweite sowie eine benötigte Anzahl Bilder (max. 300), um das Objekt von vorne bis hinten scharf abzubilden. Logisch deshalb auch, dass diese Technik nur mit unbeweglichen Objekten eingesetzt werden kann. Den Käfer, den ich aufnehmen konnte, hat sich dementsprechend ruhig verhalten und ist erst nach dem letzten Bild davon gelaufen 😊

So hat für die Pilz- und Käfer-Bilder mit dem 60mm Makro-Objektiv und Blende 8 bei einer Distanz von 22 – 32cm, eine Schrittweite von 5 mit 20 – 30 Bildern, die besten Resultate ergeben.

Schrittweite der Fokusverlagerung

Schrittweite der Fokusverlagerung

Als Depth of Field Wert (DOF) geben die EXIF Daten beim Käfer einen Wert von 5mm (Distanz ~22cm) und beim Hochformat Pilz-Bild einen Wert von 11mm (Distanz ~32cm) an.

Fokusverlagerung starten

Wenn die Einstellungen im Fokusverlagerungsmenü soweit passen, muss natürlich nun die Kamera richtig positioniert und scharfgestellt werden. Bei der Positionierung sollte unbedingt ein Stativ oder eine alternative, stabile Unterlage, verwendet werden. Bei den Pilzen und beim Käfer habe ich die Kamera für eine optimale Perspektive einfach auf den Waldboden gelegt. Der Fokuspunkt muss auf die kürzeste Distanz, welche noch scharf dargestellt werden soll, gelegt werden, da die Fokusverlagerung die Distanz schrittweise vergrössert.

Wenn alles passend eingestellt ist, kann über das Menü der Vorgang gestartet werden und die Kamera führt die Funktion aus. Die Bilder sollten danach kurz kontrolliert werden! Gegebenenfalls muss mit veränderten Einstellungen eine weitere Serie aufgenommen werden …

Focus Stacking

Um dann diese Bildserien mit der Focus Stacking Technik weiter zu verarbeiten werden diese in Lightroom importiert und die zusammengehörenden Bilder werden gestapelt. Alle Bilder im Stapel werden synchron ins Entwicklermodul geladen und gleichzeitig entwickelt.

Photoshop oder Helicon Focus

Da auf meinem Rechner sowohl Photoshop als auch Helicon Focus installiert sind, habe ich mir die Zeit genommen, beide Programme bezüglich Focus Stacking zu vergleichen.

Focus Stacking mit Adobe Photoshop

Für Photoshop werden die markierten Bilder des Stapels aus Lightroom via Kontextmenü ‘Bearbeiten in > In Photoshop als Ebenen öffnen… an Photoshop übergeben. Wenn alle Ebenen geladen sind, werden alle markiert und über das Menü ‘Bearbeiten > Ebenen automatisch ausrichten…’ ausgerichtet. Danach wird wieder über das Menü ‘Bearbeiten’ der Punkt ‘Ebenen automatisch überblenden…’ gewählt. Im Dialogfeld wird ‘Bilder stapeln’ mit aktivierter Option ‘Nahtlose Töne und Farben’ gewählt und der Vorgang gestartet. Photoshop sucht nun aus allen geladenen Bildern die Schärfebereiche und über Masken auf den einzelnen Ebenen werden diese zu einem neuen Bild ‘gestackt’. Dieses Bild kann dann in einem beliebigen Format gespeichert werden und wird automatisch an Lightroom zurückgegeben.

Focus Stacking mit Helicon Focus

Helicon Focus ist speziell für Focus Stacking entwickelt worden und installiert sich in Lightroom als Plugin mit einer eigenen Exportvorgabe. Das heisst, die markierten Bilder eines Stapels werden einfach über die Helicon Focus Exportvorgabe exportiert und es wird automatisch Helicon Focus gestartet. Danach können die Bilder über eine der 3 vorhandenen Rendermethoden zu einem ‘gestackten’ Bild verrechnet werden. Für meine Bilder hat die Methode A ohne weitere Einstellungen die besten Resultate geliefert. Auch dieses Resultat kann in jedem beliebigen Format gespeichert werden und wird ebenfalls an Lightroom zurückgegeben. Auf weitere Möglichkeiten der Weiterverarbeitung mit Helicon Focus gehe ich jetzt hier nicht ein.

Resultat und Fazit

Bezüglich Bildqualität schenken sich die beiden Varianten nichts aber bezüglich Geschwindigkeit ist Helicon Focus der Variante mit Photoshop haushoch überlegen!

Nachfolgend ein paar dieser aktuell entstandenen Bilder. Weitere Bilder sind in der Bildergalerie ‘Focus Stacking’ zu sehen,

Ein paar gestackte Bilder

29 Oktober 2019, von Beat

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