• Zeitraffer der Milchstrasse - nächster Versuch

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Motivation

Da der Versuch, ein Zeitraffer Video der Milchstrasse aufzunehmen, im August letzten Jahres kläglich gescheitert ist, habe ich mir fest vorgenommen, den Versuch bei der nächsten sich bietenden Gelegenheit zu wiederholen.

Diese Gelegenheit bot sich nun just zum verlängerten Auffahrts-Wochenende und so habe ich täglich die Wetterprognosen zu Rate gezogen und habe mich dann entschieden, in der Nacht zu Auffahrt, das Vorhaben durchzuführen.

Planung

Da ich aus den letzten erfolgreichen und auch erfolglosen Versuchen einiges an Erfahrungen gesammelt hatte, konnte ich diese nun bei der Planung berücksichtigen. So habe ich natürlich als erstes die PhotoPills App zu Rate gezogen. Mit dieser App ist es möglich, das optimale Datum (Leermond oder Mond nicht sichtbar) und auch den Zeitraum der Sichtbarkeit der Milchstrasse, oder besser, des galaktischen Zentrums, herauszufinden. Wenn dieses Datum soweit passt, könnte einem höchsten noch das Wetter einen Strich durch die Rechnung machen.

Auch die Wahl des Equipments und die optimalen Einstellungen der Kamera sollten vorgängig geplant werden. Mein Plan war, mit einer Kamera die Zeitrafferaufnahmen zu machen und mit einer zweiten Kamera mehrreihige Panoramen aufzunehmen.

Die wichtigsten Anforderungen an Kamera und Objektiv:

  • Kamera mit rauscharmem Sensor bei hohen ISO Werten.
  • Weitwinkelobjektiv mit hoher Lichtstärke.

Für die Zeitrafferaufnahmen wollte ich die Nikon Z6 mit dem 14mm / f1.8 Sigma Art Objektiv einsetzen. Damit bleibt für die Panoramaaufnahmen nur die Z7 übrig, welche mit dem 20mm / f1.8 Nikkor Objektiv bestückt wird.

Desweiteren werden natürlich stabile Stative, Funkauslöser und für die Zeitrafferaufnahmen ein Intervall-Timer (wäre ggf. auch mit dem Kamera internen Intervall Timer möglich) benötigt. Auch das Kapitel Stromversorgung sollte nicht ausser Acht gelassen werden, da die spiegellosen Kameras ihre Akkus relativ schnell verbrauchen.

Für die Zeitrafferaufnahmen plane ich, die Z6 bodennah auf dem sehr stabilen Tischstativ von Leofoto zu montieren. Ausgelöst wird die Kamera mit dem LRTimelapse Pro Timer von Gunther Wegner. Für die Stromversorgung nutze ich eine externe Powerbank mit dem dazwischen geschalteten Akku-Puffer von Tether Tools (hier beschrieben).

Für die Panoramafotografie mit der Z7 montiere ich das Novoflex VR-System PRO II mittels der Nivellierkalotte ‘MagicBalance’ auf dem Gitzo Traveler Stativ. Ausgelöst wird diese Kamera über die Funkfernsteuerung WR-10.

Die Einstellung von Blende, Zeit, Weissabgleich und ISO sollte natürlich auch vorgängig soweit möglich geplant werden. Dafür kann zum einen auch wieder die PhotoPills App genutzt werden, da diese eine Funktion zur Kalkulation der längsten Verschlusszeit für die gewählte Kamera / Objektiv Kombination anbietet (Sterne als Punkte). Zum zweiten kann auch entsprechende Fachliteratur konsultiert werden und da kann ich das Buch über ‘Astrofotografie’ von Katja Seidel uneingeschränkt empfehlen.

Für beide Kameras habe ich dann identische Einstellungen gewählt, obwohl die Z7 mit dem 45MP Sensor und dem 20mm Objektiv nicht identisch lange Verschlusszeiten wie die Z6 mit dem 24MP Sensor und dem 14mm Objektiv zulässt.

  • Blende: 2.8
  • Verschlusszeit: 15s
    gemäss PhotoPills – ‘Sterne als Punkte’:
    Z7 mit 20mm Objektiv und Blende 2.8: maximal 10.89s
    Z6 mit 14mm Objektiv und Blende 2.8: maximal 18.48s
  • ISO: 3200
  • Weissabgleich 3950 Kelvin (kann bei RAW später auch angepasst werden)

Für die Zeitrafferaufnahme ging ich von einem Intervall von 20s aus. Dies ergibt 180 Bilder pro Stunde, was bei einem Video mit 25 Bilder/s eine Laufzeit von 7.2s ergibt (30 Bilder/s würden ‘nur’ 6s Video ergeben).

Geplant war, spätestens um 01:00 Uhr die Zeitrafferaufnahmen zu starten und um 03:10 zu beenden – PhotoPills gibt an, dass um 03:10 die astronomische Dämmerung beginnt, was auch als ‘Ende der Nacht’ bezeichnet wird. Zu diesem Zeitpunkt endet auch die Sichtbarkeit des galaktischen Zentrums der Milchstrasse.

Umsetzung

Um 23:20 Uhr bin ich Zuhause mit Ziel ‘Schmidrüti’ im Tösstal losgefahren. Die Fahrt dauerte ca. 40 Minuten, so dass ich ziemlich genau um Mitternacht mein Ziel etwas ausserhalb von Schmidrüti erreichte. Dann hiess es Stirnlampe montieren, Rucksack aufschnallen und einen kurzen Fussmarsch in die Höhe zum endgültigen Ziel in Angriff nehmen. Auf dem Weg ein leuchtendes Augenpaar (vermutlich ein Fuchs) und erstaunlich viele Fledermäuse auf der Jagt nach Insekten.

Die Gegend um Schmidrüti kenne ich aus meiner Militärzeit, da ich als Lenkwaffenmechaniker für das damals hochgeheime Bloodhound Lenkwaffensystem der Einheit in Schmidrüti zugeteilt war.

Schnell war dann alles soweit eingerichtet, die Kameras scharfgestellt (auch dank Focus peaking), erste Testbilder gemacht, Intervall Timer eingestellt und um 00:15 Uhr startete die Zeitrafferaufnahme.

Mit der zweiten Kamera habe ich es dann etwas gemächlicher angehen lassen, habe in Ruhe alles justiert und dann in grösseren Zeitintervallen 2- oder 3-reihige Panoramen mit 3 oder 4 Bildern pro Reihe gemacht. Dazwischen habe ich auch etwas mit den Einstellungen herumexperimentiert, wobei sich doch gezeigt hat, dass die geplanten Einstellungen genau die richtigen waren. Die besten Bilder entstanden dann so gegen 03:00 Uhr, da zu diesem Zeitpunkt das galaktische Zentrum der Milchstrasse annähernd den höchsten Punkt erreicht hatte.

Um 03:10 Uhr habe ich dann die Zeitrafferaufnahme gestoppt, habe alles zusammengeräumt und mich auf den Heimweg gemacht. Um 4:00 Uhr war ich zu Hause und habe mich schnellstmöglich ins Bett gelegt um doch noch zu etwas Schlaf zu kommen 😉

Die Milchstrasse - zweireihiges Panorama aus 8 Bildern

Die Milchstrasse – zweireihiges Panorama aus 8 Bildern

Erstellen des Videos

Am nächsten Morgen dann; alle Bilder in Lightroom importieren, nach einer ersten Sichtung kurz ein Panorama erstellen (funktioniert in der Zwischenzeit in Lightroom sehr gut!) und danach den Workflow mit LRTimelapse für das Zeitraffervideo starten. Drei Durchgänge hat es gebraucht bis ich mit dem Resultat einigermassen zufrieden war, wobei es am schwierigsten war, den Weissabgleich über die gesamte Zeit des Videos richtig anzupassen.

Ich habe mich dann entschieden, mit den 532 Bilder ein Video mit 25 Bildern/s zu rendern, da dieses eine etwas längere Laufzeit als mit 30 Bildern/s hat (21.3s zu 17.7s).

In Davinci Resolve Studio habe ich dann das Video mit Titel und Musik versehen, habe auch noch leichte Bildkorrekturen vorgenommen und dann das Ganze als YouTube taugliches Video gerendert. Dieses Video ist nachfolgend verlinkt.

23 Mai 2020, von Beat
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2 Kommentare
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Sascha Krähenbühl
25. Mai 2020 14:29

Ich mag deine Blogbeiträge und verfolge diese (je nach Thema) relativ intensiv. Ich mag die Mischung aus wahrer Geschichte und Technik.

Heute habe ich gelernt, dass Lightroom inzwischen sogar die Milchstrasse (etwas dunkle Landschaft und viele helle Punkte) vernünftig übereinander legen kann. Das habe ich seit einigen Jahren nicht mehr probiert.

Ich nutze für (grosse) Panoramas PTGui und für Timelaps LRTimelaps, wobei ich jährlich etwa ein Timelaps mache. 😉